Wiener Zeitung, 18.03.1998: Schönberg-Center: Ensemble Wiener Collage
“Späte Werke von Schönberg”
von Christine Dobretsberger
[...] Das Ensemble Wiener Collage unter der Leitung von René Staar nahm sich dreier Werke an, die der späten Schaffensperiode Schönbergs (zwischen 1942 und 1949) zuzurechnen sind. Den sperrigen Auftakt machte das Streichertrio op. 45, ein düsteres, von aufbegehrenden Streichereffekten zerklüftetes, zirka 15minütiges Werk, in welchem Intellekt und Emotion in sich verharrende, sich nicht vereinigende Parallelstränge bilden. Danach stand Schönbergs letztes Kammermusikwerk, welches anläßlich seines 75. Geburtstages 1949 uraufgeführt wurde, auf dem Programm. Schönbergs “Fantasie für Violine und Klavierbegleitung” op. 47 läßt zwar immer wieder die Wiener Tradition durchklingen, bewegt sich aber in breiter, leidenschaftlicher Geste, die vor allem von der Violinstimme bestritten wird, in immer neue und ein wenig befremdlich anmutende Sphären. Beide Musiker (René Staar und Johannes Marian) schöpften die Palette der Tonvielfalt ihrer Instrumente zur Gänze aus und gaben eine hochkonzentrierte Interpretation.
Dramatisch, spannungsgeladen und von Sarkasmus durchsetzt die Ode an Napoleon Buonaparte op. 41. Fünf Instrumentalisten und ein Sprecher (Michael Ingham) spiegeln Schönbergs in Musik gekehrte Kriegsverachtung. Ein hart skandiertes Aufbegehren in einem subkutanen Spannungsfeld zwischen Ausdruck und Anklage, dessen inhaltliche Stringenz zur vollen Entfaltung gelangte.
