Ensemble Wiener Collage

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Philharmonische Blätter, 01.02.2000: Das Ensemble Wiener Collage mit Musik des 20. Jahrhunderts

Zurück in die Zukunft

von Guido Fischer

Die Wiener Philharmoniker setzen auch mit der klassischen Moderne, mit Bartók, Mahler und Schönberg Maßstäbe. Ob mit vielfach ausgezeichneten Einspielungen oder wie im vergangenen Oktober innerhalb ihres letzten, bejubelten Gastspiels in Köln unter Pierre Boulez. Aber György Ligeti, Wolfgang Rihm oder Luigi Nono? Die Zeiten sind längst passé, als noch wie vor einem Jahrhundert sich die Donau-Musiker zeitgenössischen Klängen versperrten und selbst einem Johannes Brahms bei dessen D-Dur-Serenade die Gefolgschaft verweigerten. Spätestens seit der von Claudio Abbado initiierten Konzert-Reihe “Wien Modern” Ende der 80er irritieren sie auf höchstem Niveau schon mal ihr Abonnement-Publikum mit großflächigen Avantgarde-Partituren.

Was gleichermaßen für die Kammermusik gilt, für die sich entdeckerfreudige Philharmoniker zusammengetan haben, um sich ganz der Kunst der Gegenwart anzunehmen. Wie das Ensemble Wiener Collage (EWC), 1987 von Erik Freitag, Eugene Hartzell und dem heutigen Leiter René Staar gegründet. Und das seit seinem Debut beim renommierten Festival “Musikprotokoll des Steirischen Herbstes” neben Friedrich Cerhas “die reihe” und Beat Furrers “Klangforum” zu den ersten Wiener Adressen zählt, wenn es um Ur- und Erstaufführungen, aber auch um ungewöhnliche Projekte geht. Da in dieser Saison die gar nicht so konservative Bandbreite der Wiener Philharmoniker auch mit ihren stilistisch unterschiedlichen Ensembles des Schwerpunkt in der “Philharmonischen Kammermusik” bildet, darf daher natürlich das EWC nicht fehlen. Mit einem Konzert, das ganz im Zeichen der Tradition und Kontinuität des europäischen Musikschaffens und -denkens steht – mit dem Schwerpunkt auf die österreichisch-ungarischen Klang-Recherchen.

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Bei aller kompositorischen Feinstarbeit selbst in der zur Uraufführung anstehenden “Cat Music I und II” von Staar zeigt das EWC auch, wie identitätsstiftende Rückbezüge immer wieder gesucht werden, um nach vorne zu schauen. Sei es der Ländler, den Webern in seinem Quartett versteckte; sei es das Volksliedhafte in Bartóks “Contrasts” oder die Walzer-Infusionen bei Wladimir Pantchev. Gemäß des EWC-Mottos: Zurück in die Zukunft!