Ensemble Wiener Collage

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Presse-Online Archiv, 16.02.2001: Riemergasse: Asyl für Zeitgenossen

von Walter Weidringer

Im “Porgy & Bess”, Wiens an neuem Ort wiedererstandenen “Jazz & Music Club”, verhalf das virtuose Ensemble “Wiener Collage” dem Zyklus “Asyl” zu einem ersten Höhepunkt.

Musik von Komponisten, denen der Begriff “fremd” fremd ist – auf diese lakonische Formel lassen sich die Programmleitlinien der Konzertreihe “Asyl” kürzen, mit denen der Jazzclub in der Riemergasse, erfolgreicher Senkrechtstarter in jeder Hinsicht, auch zeitgenössischer “E-Musik” ein Podium bietet. Das Publikumsecho ist auch hier nachhaltig und weiter im Wachsen.

Zu Recht: “Wiener COLLAGE”, das ENSEMBLE rund um den Komponisten und philharmonischen Geiger René Staar, wies unter dem Titel “Etüden gegen die Isolation” nach, wie gewinnbringend Musik Grenzen abzubauen imstande ist – zwischen Zentral- und Randeuropa, Kunst- und Volksmusik, Österreich und dem Rest der Welt. Flankiert von Werken “Alteingesessener” wie Erich Urbanner und, aus dessen Schüler-Generation, Alexander Stankovski, gab es spannende “Importe” zu erleben: die gummiartig zwischen Dichtem und Losem vermittelnde “Bagatelle for A.W.” des Polen Pawel Szymanski, die bildhaft-eingängige “Triaphonie II” des “schwedischen Österreichers” Erik Freitag und die verschroben-divergenten Dialoge eines “Capriccios von Karl Kohn, der 1938 vor den Nationalsozialisten in die USA fliehen konnte.

Den stärksten Eindruck hinterließen das ausführliche, expressiv-kantable Lamento der “Hommage Edison Denisov”, das Wladimir Pantchev organisch aus dem Material bulgarisch-griechischer Volksmusik entstehen lässt, und die charakteristische Musik von Zdzislaw Wysocki: Ein brillant-phantasievolles Pandämonium musikalischer Gestalten schrägster Physiognomie bevölkert seine Etüden-Sammlungen und die “Momenti” op. 59 – grimmig-bitterer Schalk verpasst diesen klingenden Käuzen noch weitere Beulen. Nach langer Zeit fehlender Anerkennung könnte ein soeben erfüllter, namhafter Kompositionsauftrag durch Kent Nagano (Konzert für zwei Violinen und Orchester, UA 2002) eine Phase später Gerechtigkeit für den seit dreißig Jahren in Österreich lebenden Polen einläuten.